Der langsame aber sichere Erfolg der Lkw-Fahrerinnen

#BIGSTORY
 

Das Magazin Ausgabe 2 • September 2021 • 7 Min. Hördauer

Die Transportbranche ist eine Männerdomäne. Oder etwa nicht ...?

Wir sprachen mit zwei Lkw-Fahrerinnen über ihre Arbeit, ihre Erfahrungen ... und ihre Hoffnungen für die Zukunft.

 

 

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SANDRINE SON – Clermond-Ferrand, Frankreich OTI CABADAS Palencia, Spanien


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Viele Berufe sind historisch gesehen immer von Männern dominiert worden, und das Lkw-Fahren ist sicherlich einer davon. Aber in den letzten Jahren haben sich immer mehr Frauen ans Steuer gesetzt. Was ist die Ursache für diese Entwicklung? Ist es das Ergebnis gesellschaftlicher Veränderungen? Liegt es daran, dass Lkw-Fahrerinnen mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommen, oder vielleicht an ihrer Präsenz in den sozialen Medien? Und trotz dieser Veränderungen, sind es immer noch klassische Vorurteile, die ihnen das Leben schwer machen? Fragen wir diejenigen, die die Antworten am besten kennen ...

Die Straße ruft

 „Mir wurde  von meinem Freund die Welt des Lkw-Fahrens vorgestelltt als ich 19 Jahre alt war und seitdem bin ich süchtig danach.“ Lernen Sie Oti Cabadas kennen, auch bekannt als Coco Trucker*, eine spanische
Lkw-Fahrerin aus Palencia. Sie verbringt ihre Wochen kreuz und quer in Spanien und manchmal auch in Portugal, wobei sie die meiste Zeit Bier transportiert. „Was mir an meinem Beruf gefällt , ist das Gefühl der Freiheit. Es ist natürlich eine relative Freiheit, denn man hat immer einen Zeitplan, an den man sich halten muss. Aber Sie können wählen, wann und wo Sie anhalten und Ihre eigenen Reiserouten festlegen. Ich bin sehr unabhängig, und das liebe ich.“

Ich auch. Ich liebe meinen Job, weil ich mich auf der Straße so frei fühle. Manchmal fühlt es sich gar nicht so an, als würde ich arbeiten“, stimmt Sandrine Son** zu, eine französische Lkw-Fahrerin aus Clermont-Ferrand, die ebenfalls dem Ruf der Straße folgt. „Ich bin in der Welt der Mechanik aufgewachsen: Mein Vater war technischer Inspektor bei einem Busunternehmen, also hatte ich immer den Wunsch, dass ich eines Tages ebenso diesen Weg einschlagen würde. Und weil ich das Gefühl von Freiheit beim Fahren besonders liebe, habe ich mich entschieden, hauptsächlich nachts zu arbeiten und Waren für Supermärkte mit meinem Kühlwagen auszuliefern. Nachts ist man quasi allein auf der Straße, es gibt keinen Stau und keine Parkplatzprobleme. Ich kann einfach mein Ding machen, ohne dass mich jemand stört.“

Nicht so viele Frauen hier

Mal abgesehen von dem berauschenden Gefühl der Freiheit: Gibt es dennoch spezifische Hindernisse für Frauen, die im 21. Jahrhundert einen Lkw fahren? Nicht wirklich, sagt Sandrine: „Die Dinge haben sich in den letzten Jahren verändert, vor allem in der Art und Weise, wie wir von unseren männlichen Kollegen wahrgenommen werden. Sie starren mich manchmal ein wenig an, sind überrascht, aber ich würde nicht sagen, dass sie auf mich herabschauen. Alles in allem bekomme ich mehr Ermutigung als Inakzeptanz. Es gibt immer noch etwas Chauvinismus, sicher, aber das hält mich nicht auf. Ich höre tatsächlich oft männliche Lkw-Fahrer sagen, dass es mehr Frauen in dem Beruf geben müsste, da wir für mehr Vielfalt sorgen.“

„Es gibt definitiv immer mehr weibliche Lkw-Fahrerinnen “, sagt Oti, „aber sie werden häufig übersehen, weil sie prozentual gesehen, immer noch einen kleinen Anteil ausmachen. Wenn Sie zum Mittagessen bei einem Autohof einkehren, finden Sie sich meist in einem Raum voller Männer wieder. Manchmal würde ich mich freuen bei den Pausen in Zukunft öfter mal Frauen anzutreffen.“

LKW-Fahrerinnen in den sozialen Medien

Dennoch: Was ermutigt immer mehr Frauen dazu, diesen Job zu übernehmen? Für Sandrine ist folgendes der Grund für die Veränderung: „Eine Lkw-Fahrerin war früher eine Seltenheit, aber heute, ob im Fernsehen, in Zeitschriften oder in den sozialen Medien, sind sie immer sichtbarer, und das trägt zur Normalisierung der Präsenz von Frauen in dieser Branche bei. Es zeigt, dass jeder und jede diesen Beruf ausüben kann.“

Aufgrund von TV-Sendungen wie „Trucker Babes“, eine deutsche Show, die in mehreren Ländern adaptiert wurde, oder die kolumbianische TV-Serie „Los Briseño“ („The Road to Love“ ist der englische Titel) über eine junge Frau, die sich gegen die Vorurteile ihrer Familie stellt, um Lkw-Fahrerin zu werden, setzt sich die Öffentlichkeit wie nie zuvor mit Lkw-Fahrerinnen auseinander. Auch die sozialen Medien spielen eine Rolle.

Oti kennt sich damit ein wenig aus: „Ich teile meine Erfahrungen als
Lkw-Fahrerin schon seit einigen Jahren auf Facebook und Instagram. Ich habe inzwischen ziemlich viele Follower, aber anfangs habe ich einfach ein Interview gepostet, das ich einer Fachzeitschrift gegeben hatte. Dann teilte ich Dinge aus meinem täglichen Leben auf der Straße, und das kam gut an. Ich habe auch eine Gruppe auf WhatsApp mit weiblichen Kolleginnen gegründet, die allesamt zu Freundinnen geworden sind. Als ich anfing, kannte ich keine anderen Frauen, weil man während der Fahrt nicht unbedingt Gelegenheit hat, einander zu begegnen. Dank sozialer Medien gibt es mehr Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten. Viele Frauen schreiben mir, dass sie sich schon immer für das Lkw-Fahren begeistern konnten, aber teilweise noch zögern. Ich glaube, der Grund, warum es immer noch so wenige Frauen gibt, ist, dass sie sich nicht zutrauen, dem Beruf gewachsen zu sein. Viele Frauen wagen den Sprung nicht.

Ein Ratschlag: Probiere es aus!

„Sicher, die körperliche Anstrengung kann für uns Frauen höher sein als für unsere männlichen Kollegen“, sagt Sandrine.

"Aber wir fahren umsichtiger und behandeln die Ware schonender, mit mehr Sorgfalt. Eine gute Kundenbindung ist uns wichtig, es ist einfach ein anderer Stil. "

„Außerdem ist es eher eine Frage des Selbstvertrauens als der körperlichen Voraussetzungen“, fügt Oti hinzu. „Ich bin 1,60 m groß; wenn ich das kann, kann es jeder! Bei diesem Job geht es darum, die Berufung zu spüren. Wenn ich einen Ratschlag für angehende Lkw-Fahrerinnen hätte, würde ich einfach sagen: „Das ist eine gute Idee: Folge deiner Leidenschaft“. Wenn das Lkw-Fahren nicht deine wahre Berufung ist, wird der Job umso schwieriger sein. Du bist lange unterwegs und nicht oft zu Hause. Aber wenn du Lkw-Fahren liebst und dies wirklich deine Berufung ist, dann sage ich: Mach es! Du kannst es genauso gut wie jeder andere.“

*Interview von Oti Cabadas, auch „Coco Trucker“ genannt, am 11. Mai 2021.
**Interview von Sandrine Son, am 27. April 2021.

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Vor TV-Sendungen wie „Trucker Babes“ aus Deutschland und „Los Briseño“ aus Kolumbien waren Lkw-Fahrerinnen nur in einigen wenigen Büchern oder auch Filmen zu sehen. Ein Beispiel dafür ist der Actionfilm „Trucker's Woman“ von Will Zens aus dem Jahr 1974. Ursprünglich als „Truckin' Man“ vorgesehen, änderte der Verleih den Titel, um den Kartenverkauf anzukurbeln. Meistens werden Lkw-Fahrerinnen in Filmen als furchtlose, unerschrockene Charaktere dargestellt, wie zum Beispiel Furiosa in „Mad Max: Fury Road“ (2015), Jill in Terry Gilliams Kultfilm „Brazil“ von 1985 oder die beiden weiblichen Helden des zweitklassigen Films „Flatbed Annie & Sweetiepie: Lady Truckers“ aus dem Jahr 1979.

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Meistens werden Lkw-Fahrerinnen in Filmen als furchtlose, knallharte Charaktere dargestellt.

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In der Literatur wurde 2009 unter dem Titel „Confessions of a Female Truck Driver“ eine Ich-Erzählung über das Leben als Lkw-Fahrerin von Rebby Barnard veröffentlicht, in der sie über Selbsterkenntnisse und ihre Erfahrungen in der Welt spricht. Das Thema Sexismus steht im Mittelpunkt von „Silly Woman, Big Rigs are for Men“ von Mary Ellen Dempsey, erschienen im Jahr 2011. Es erzählt die Abenteuer einer alleinerziehenden Mutter, die in den 1960er-Jahren mit dem Lkw-Fahren beginnt, um ihre Familie zu unterstützen. Der französische Roman „Le camion de la fille“ von Louise Méheut (2020) hat dasselbe Thema zum Inhalt, allerdings in einem zeitgemäßeren Kontext, da er die Geschichte einer Lkw-Fahrerin erzählt, die beschließt, gegen Diskriminierung in der Transportwelt vor Gericht zu ziehen.

 

Trucker Babe Jana auf Abwegen | Trucker Babes | Kabel Eins

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